Glaube ist …!

oder persönlicher Glaube ist für mich … oder noch persönlicher Ich glaube, dass …
Wie würdet ihr diesen Satz, diese Sätze fortsetzen? Was hättet ihr auf die ein oder andere
Frage im Interview geantwortet?

Und vielleicht könnte ich jetzt schon aufhören zu reden. Letzten Endes muss jeder und jede
diese Frage für sich selbst beantworten. Und dann gehören diese Antworten ins Gespräch mit
anderen. Ihr müsst eure Antworten prüfen – für euch selbst – und an den Antworten anderer.
Deshalb sind das, was jetzt kommt, meine Antworten – meine Antworten und das hier und
heute. Es kann sein, dass ich morgen eine Erfahrung mache, einen Menschen kennen lerne, die
oder der meine Antworten stark verändert.

Und das ist gut so. Trotzdem hoffe ich, dass für den einen oder die andere etwas dabei ist, was
eure eigenen Antworten stärkt, hinterfragt, erweitert.

Mir sind 3 Sachen wichtig, wenn ich über dieses „Glaube ist …“ nachdenke – zumindest will ich
euch 3 Punkte nennen, wie das bei mir so ist mit dem Glauben.

Das für mich kürzeste und schönste Glaubensbekenntnis steht im 1. Brief des Johannes: „Gott
ist die Liebe.“ Gott ist die Liebe, das bedeutet, Gott ist auf Beziehung aus. Liebe ist Hingabe,
Liebe ist Begegnung. Liebe hält und trägt – und das auch, wenn es in der Familie, in der Schule,
auf Arbeit, mit der Gesundheit … vielleicht gerade eher nicht zum Besten steht. Und Liebe
bleibt ein Geheimnis.

Auf „Ich liebe dich!“ kann man mit „Jaaa – ich dich auch.“ oder mit „Mmmh – aaah – echt
schwierig“ oder so reagieren. Aber wahrscheinlich sagt niemand „Wie meinst du das denn
jetzt? Kannst du mir das mal erklären?“ Als Jesus gefragt wird, was das wichtigste Gebot ist,
antwortet er „Du sollst Gott und deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ Das ist für mich
Gnade, das ist Ostern. Gott liebt mich, so wie ich bin, ohne Vorausleistungen. Und er geht für
diese Liebe ans Kreuz. Und ich kann glauben und hoffen, dass diese Liebe stärker als der Tod ist.
Deshalb kann ich mich und andere lieben – mit allen Fehlern und Schwächen, mit allen Stärken
und mit allen guten Seiten. Ich glaube, dass „Gott die Liebe ist“ – mein 1. Punkt.

Mein 2. Punkt: Glaube ist nicht Bescheidenheit und Demut, sondern die Unverschämtheit des
Hoffens. Hoffen, auch wenn der äußere Schein vielleicht gerade völlig hoffnungslos wirkt.
Unverschämt hoffen, hoffen auch angesichts kleiner JG´s, hoffen, auch wenn ihr vielleicht nur 2
oder 3 in euren Klassen seid, die über dieses „Ich glaube …“ nachdenken, die Antworten
suchen. Hoffen auf das, was uns Gott verheißen hat, hoffen auf sein Reich, auf eine gerechte
Welt, in der Lamm bei Löwe liegen wird, in der weder Leid noch Geschrei noch Schmerz mehr
sein werden – so wie es uns die Bibel verheißt. Dorothee Sölle, eine Theologin, schreibt vom
„Luxus der Hoffnungslosigkeit“. Hoffnungslosigkeit muss man sich leisten können. Aber was ist mit denen,
die hungern, die im Krieg leben, die flüchten? Hofft für euch – und hofft
für unsere Welt. Hofft gegen das „ich kann doch da eh nichts machen.“ Hofft und lasst konkrete
Schritte folgen. Und manchmal ist da ein Lächeln für den, den eigentlich alle doof finden schon
viel mehr als ein kleiner Anfang. Und hofft trotz Zweifeln und Fragen. Gott ist die Liebe – und
ich hoffe auf diese Liebe, ich hoffe, dass mein Glauben mich trägt – egal was kommt. Glauben
ist hoffen, mein 2. Punkt.

Vor einiger Zeit las ich den schönen Satz „Hoffnung ist die Fähigkeit, die Musik der Zukunft zu
hören, Glaube der Mut, in der Gegenwart danach zu tanzen“. Was für mich hoffen bedeutet,
habe ich ein bisschen erklärt. Aber wisst ihr, was eine „Silent Disko“ ist? Ich habe das mal auf
einem Kirchentag erlebt. Jeder und jede bekommt einen mp3-Player, auf denen laufen 2, 3, 4
verschiedene Playlists. Und dann wird getanzt. Ein irrer Anblick. Klar gibt es die Coolen (oft
Jungs), die zu jeder Musik nur leicht mit den Schultern zucken. Aber ansonsten wird getanzt, in
absoluter Stille, zu verschiedener Musik und deshalb natürlich in verschiedenen Stilen – und das
Ganze in einem Saal. Zugegebenermaßen sieht das von außen bisschen albern aus.
Ich denke, so kann es einem gehen, mit der Musik der Zukunft und dem Mut, hier und jetzt
danach zu tanzen.

Die Gefahr, lächerlich zu wirken, besteht durchaus. Aber ich finde, es lohnt sich. Tanzt, redet
über euren Glauben, sagt einander, was ihr hofft, was euch trägt und hält.
Fragt andere, wie das bei ihnen so aussieht. Kommt ins Gespräch. Glauben ist hoffen, hoffen
auf Gott, der die Liebe ist. Und glauben ist der Mut, diese Hoffnung weiter zu sagen, weiter zu
leben, die schon erwähnten kleinen Schritte zu gehen.
Amen

-Pierre Schüßler-