Jeder Jugendgottesdienst wird ja von einer Jungen Gemeinde
vorbereitet. Mein 1. Schritt bei diesen Vorbereitungen ist eigentlich
immer die Themensuche. Logisch, worum es in dem
Jugendgottesdienst gehen soll, ist ja nicht unwesentlich. So war das
auch mit der JG Markkleeberg Ost. Ein Themenvorschlag war dann
„Die moralischen Hintergründe von Pranks.“ Und dann wurde dieses
Thema auch noch ausgewählt. Uups.
Ich muss gestehen, ich habe kurz gezögert, bevor ich gefragt habe,
was Pranks eigentlich sind.
Sicher wisst ihr das alle, oder?
Zur Sicherheit mal 2 Beispiele:

Lustiges und extremes Beispiel beamen, evtl. unterbrechen

Pranks – 2 Beispiele. Und wie moralisch ist das nun? Was ist
moralisches Handeln überhaupt – nicht nur in Bezug zu Pranks? In
der Bibel – im 1. Brief des Paulus an die Korinther (1. Kor. 6, 12 – für
alle, die es genau wissen wollen) steht „Alles ist erlaubt“ – mmh,
nichts was ich meinen Kindern sagen würde. Und auch als Start einer
Konfistunde ist dieser Vers wahrscheinlich nicht unbedingt geeignet.
Und in der Schule – na ja … Allerdings geht der Vers weiter „Alles ist
erlaubt, aber …“ – autsch, auch das wäre nichts für meine Kinder.
Zuerst den Mund ganz schön voll nehmen „Alles ist erlaubt“ – und
dann sofort „aber“ – Zeigefinger heben – das kennt man ja von den
Erwachsenen. Pause
Doch ich glaube, dass dieser Vers nicht so gemeint ist. Vollständig
lautet er „Alles ist erlaubt, aber nicht alles dient zum Guten.“ Eine
riesige Freiheit – „Alles ist erlaubt.“ Wahrscheinlich verstehen wir
Freiheit oft als Freiheit von etwas. Frei von Zwängen, von Regeln, von
Vorschriften.
In der Bibel wird Freiheit eher als Freiheit zu etwas gesehen. Frei,
etwas zu tun – oder zu lassen. „Alles ist erlaubt.“ So eine Freiheit
kennt keine Einschränkungen.
Ein „Aber“ gehört trotzdem unbedingt zu ihr. So eine Freiheit macht
einen absolut verantwortlich für das eigene Handeln.

Ein Galeerensklave hat keine Verantwortung für den Kurs des Schiffes,
ein Matrose schon mehr und der Kapitän trifft und verantwortet
letzten Endes alle Entscheidungen. „Alles ist erlaubt, aber nicht alles
dient zum Guten.“ „Alles ist erlaubt“ gibt jedem und jeder eine große
Freiheit und eine große Verantwortung für das eigene Tun. „Aber
nicht alles dient zum Guten“ ist eine gute Richtschnur für moralisches
Handeln. Fragt nach den Folgen. Was kommt heraus, wenn ich dieses
oder jenes tue oder lasse?

Und egal wie ihr euch entscheidet, ihr müsst die Verantwortung
dafür übernehmen – vor euch und vor anderen Menschen und vor
Gott. Prank heißt übersetzt der Streich, der Spaß, der Schabernack,
der Possen (ein herrlich altes Wort, oder), der Narrenstreich – oder
aber auch die Schandtat. Fragt nach den Folgen. Ist es ein Spaß –
oder aber eine Schandtat?
Im 1. Korintherbrief kommt dieser Satz zweimal vor. „Alles ist erlaubt,
aber nicht alles dient zum Guten.“ Einmal geht der Bibelvers dann
weiter mit „Alles ist erlaubt, aber es soll mich nichts gefangen
nehmen.“ Der Blick nach innen.

Der Blick auf mich. Wenn ich das tue – oder halt auch nicht, was hat
das für Folgen für mich? Ich glaube, dass es mich verändert, und
sicher nicht zum Guten, wenn ich andere Menschen in einer
Clownsmaske kettensägenschwingend zu Tode erschrecke.
Bei Youtubephänomenen wie z. B. Pranks, oder „10 Dinge, die sie
nicht tun sollten“ beschleicht mich manchmal das Gefühl einer
Aufmerksamkeitsdiktatur. Egal, ob Daumen hoch oder runter,
Hauptsache ich werde wahrgenommen, auch wenn ich dafür weit
mehr als die Grenzen des guten Geschmacks verletzen muss. In der
zweiten Bibelstelle (1. Kor. 10, 23) lautet der Vers so: „Alles ist
erlaubt, aber nicht alles dient zum Guten. Alles ist erlaubt, aber nicht
alles baut auf.“ Das ist der Blick nach außen. Der Blick auf Andere.
Wenn ich das tue – oder halt auch nicht, was hat das für Folgen für
andere? Vielleicht sogar für die Gesellschaft?

„Alles ist erlaubt“. Ihr seid frei. Ihr seid verantwortlich für euer Tun.
„Aber nicht alles dient zum Guten.“ Fragt nach den Folgen für euch
und andere – und entscheidet und handelt dann.

Und manchmal werdet ihr euch falsch entscheiden – weil ihr die
Folgen falsch eingeschätzt habt. Und manchmal werdet ihr euch
falsch entscheiden – obwohl ihr eigentlich wusstet, dass es falsch ist,
dass es nicht zum Guten dient, dass es anderen – und wahrscheinlich
damit letzten Endes auch euch – weh tut. Dann, verzeiht die
Wortwahl, habt den Arsch in der Hose und steht dazu. Übernehmt
die Verantwortung. Ihr könnt das. Und mir hilft dazu auch der Glaube
an unseren Gott, der sagt „ich kenne dich, ich weiß auch, was bei dir
nicht so richtig läuft, was du dir vielleicht selbst immer wieder
vorwirfst – und ich liebe dich. Du bist frei – du hast Verantwortung
für deine Entscheidungen – und du kannst dir und anderen vergeben,
wenn was schief läuft.“

Amen

Pierre Schüßler